KiSS-Syndrom

Was bedeutet KiSS-Syndrom?

KiSS = Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern eine Steuerungsstörung infolge erhöhter Krafteinwirkung auf die noch zarten Kopfgelenke während Schwangerschaft und Geburt. Durch die in ihrer Stellung beeinträchtigten zarten Kopfgelenke, kommt es mitunter zu schmerzhafter Bewegungseinschränkung und daraus folgender Fehl- und Zwangshaltung des Babys.

Schädelbasis, erster und zweiter Halswirbel, bilden, mit den zugehörigen Weichteilen, die Kopfgelenke. Dieser Bereich des Nackens ist ein wichtiges Reflexzentrum, das der Raumwahrnehmung dient und auch die Spannung der Haltemuskulatur steuert. Es besteht eine enge Verbindung zwischen den Rezeptoren dieser Region und dem Gehirn (Sehzentrum, Hörzentrum, Gleichgewichtsorgan). Auch die Stellung des Kopfes – relativ zum Körper – wird hier wahrgenommen.

Eine Fehlhaltung des Babys lässt sich oft schon wenige Tage nach der Entbindung feststellen, manchmal aber auch erst im Laufe der ersten beiden Lebensmonate.
 

Der Muskel- und Bandapparat der Halswirbelsäule

- ist Teil des Bewegungs- und Gleichgewichtsapparates
- ist verbunden mit den vegetativen Zentren des Gehirns
- steht in Verbindung mit der Hauptschaltzentrale des Gehirns

- leitet durch seine Entspannung den Schlaf ein


Was sind Merkmale des KiSS-Syndroms?

  • Schiefhals

  • Sichelfüßchen

  • Saug- und Trinkprobleme

Infolge Bewegungseinschränkung im Nacken und erschwerter Ansteuerung der oralen Muskulatur, kann das Baby den nötigen Unterdruck nicht oder nur kurz erzeugen, verschluckt sich, findet keine komfortable Lage beim Stillen, weint oder schläft durch die Anstrengung ein.

  • Überwiegend einseitige Kopfhaltung und Blickrichtung

  • Überstrecken, besonders bei Müdigkeit (Hyperextension)

  • Asymmetrische Körperhaltung (C-Form)

  • Gesichtsasymmetrie bis hin zu Schädeldeformation

  • Asymmetrische Augenachse, häufig mit einseitig verlegtem Tränenkanal oder Augenentzündung

  • Asymmetrische Benutzung der Extremitäten – eine Hand überwiegend in Fauststellung, Beine asymmetrisch angewinkelt

  • Haarabrieb am Hinterkopf, im Extremfall bis Glatzenbildung

  • Anhaltendes heftiges Weinen ohne ersichtlichen Grund (Schreibaby)

Achtung: nicht jedes KiSS-Syndrom weist zwingend alle Merkmale auf, und nicht jedes Merkmal deutet zwingend auf ein KiSS-Syndrom hin. Die Abklärung erfordert Sorgfalt und Erfahrung in der Begutachtung.


Was sind mögliche Ursachen des KiSS-Syndroms?

  • Lange und erschwerte Geburt mit oder ohne Kristeller-Manöver

  • Sehr schnelle Geburt oder Sturzgeburt

  • Saugglocken- oder Zangengeburt

  • Kaiserschnitt, Notfallkaiserschnitt

  • Fehllage in der Gebärmutter – Beckenendlage, Querlage

  • Enge oder Zwangslage in der Gebärmutter durch Mehrlingsschwangerschaft oder Übertragung

  • Mehrlingsgeburt

  • Geburtsgewicht über 4000g


Oftmals werden Eltern beruhigt, dass sich derlei Symptome "auswachsen". Tatsächlich scheinen sie nach einiger Zeit verschwunden zu sein, da das Kind mit der Zeit lernt, wie es seine Bewegungseinschränkung kompensieren kann.

Zeichen hierfür sind: asymmetrisches Krabbeln, Robben oder vollständiges Überspringen der Krabbelphase. Frühzeitiges Hochziehen und Laufen wollen, noch bevor Muskulatur und Gelenke kräftig genug dafür sind. Häufig will das Kind auch aufgesetzt werden, bevor es das aus eigener Kraft kann. Mit diesen Maßnahmen versucht es instinktiv komfortablere Positionen einzunehmen.

Mögliche Folgen des unbehandelten KiSS-Syndroms

Bleibt das KiSS-Syndrom unbehandelt, kann das im Jugend- und Erwachsenenalter Beeinträchtigungen nach sich ziehen, da die Stellung der Kopfgelenke Einfluss auf die statische Aufrichtung des Körpers hat.

Folgende Beschwerden können mit der Zeit auftreten:

  • Chronische Nackenschmerzen

  • Kopfschmerzen / Migräne

  • Chronische Rückenschmerzen im unteren Rücken

  • Skoliosen

  • Frühe Abnützung von Hüft- und Kniegelenken

  • Ohrgeräusche (Tinnitus) 

  • Zahn- und Kieferfehlstellung (CMD)

  • Schwindel, Gleichgewichtsstörung

  • Motorische Unruhe

  • Ein- oder Durchschlafstörung

  • Konzentrations- und Lernschwierigkeiten


Das KiSS-Syndrom ist in jedem Alter gut behandelbar.